Erdbebenrisikomodell der Schweiz (ERM-CH23)

Seit 2023 verfügt die Schweiz über das erste nationale und öffentlich zugängliche Erdbebenrisikomodell.

Bei der Entwicklung des Erdbebenrisikomodells der Schweiz wurde ein Schwerpunkt auf die Aufbereitung der Datengrundlagen gelegt. Über drei Millionen einzelne Erdbeben wurden simuliert, die sich in der Schweiz und dem grenznahen Ausland ereignen könnten.

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich hat das Erdbebenrisikomodell im Auftrag des Bundesrates und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU), dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), der EPFL und weiteren Partnern aus der Industrie erstellt.

Detaillierte Informationen

Eine umfassende Dokumentation des Erdbebenrisikomodells der Schweiz bietet der technische Bericht «Earthquake Risk Model for Switzerland (ERM-CH23)».

Unsicherheiten

Das Erdbebenrisikomodell der Schweiz entspricht dem aktuellen Stand der Technik und Forschung. Zudem quantifiziert es Unsicherheiten umfassender als kommerzielle Modelle. 

Trotz verbesserter Daten sind Abweichungen von den tatsächlichen Folgen von Erdbeben aufgrund der Modellunsicherheiten zu erwarten:

  • Wo tritt das Erdbeben genau auf?
  • Wie bricht die Verwerfung exakt?
  • Wie wirken sich die lokalen Abminderung- und Verstärkungseffekte genau aus? 
  • Wie reagieren Gebäude genau?

Um diese Unsicherheiten zu verringern und damit die Modellaussagen zu verbessern, wird das Erdbebenrisikomodell in den nächsten Jahren weiterentwickelt und, wenn möglich, kalibriert.

FAQ zu den Modellrechnungen

Welche Daten umfasst in die Bewertung des lokalen Untergrunds?

Verbesserte Datengrundlagen zu den Verstärkungseffekten des Untergrunds ermöglichen ein deutlich präziseres Bild der lokalen Auswirkungen. Die Daten umfassen die Verstärkungen – in Relation zu einem Referenzfels –, die zwischen 2000 und 2022 an 245 seismischen Stationen ermittelt wurden. Grundlage dafür waren Scherwellengeschwindigkeits-Profile sowie Boden-Eigenfrequenzen.  Diese punktuellen Daten wurden anschliessend mithilfe flächendeckender Datensätze – wie Hangneigung, lokaler Oberflächengeologie und Topographie – auf die ganze Schweiz ausgedehnt.

Welche Daten umfasst in die Bewertung des lokalen Untergrunds?

Wie wird die Verletzbarkeit von Gebäuden in der Schweiz bewertet?

Das Modell enthält Abschätzungen zur Verletzbarkeit der mehr als zwei Millionen Wohn-, Geschäfts- und Industriegebäude in der Schweiz. Dazu wurde für unterschiedliche, repräsentative Gebäudearten die Verletzbarkeit aufgrund von Gebäudeeigenschaften abgeleitet und in sogenannte Verletzbarkeitsklassen eingeteilt. Der Gebäudebestand wurde auf dieser Basis ausgehend von einfachen Merkmalen wie der Anzahl Stockwerke oder der Bauperiode statistisch diesen Klassen zugeordnet.

Zusammen mit den Angaben zu betroffenen Personen und Werten jedes einzelnen Gebäudes lassen sich die Auswirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die finanziellen Verluste bestimmen. Die Mehrheit der Schweizer Gebäude wurde nicht gemäss den heute geltenden Baunormen für eine erdbebengerechte Bauweise gebaut.

Wie wird die Verletzbarkeit von Gebäuden in der Schweiz bewertet?

Welche Informationen umfasst der Faktor "betroffene Personen und Werte"?

Dieser Faktor umfasst die räumliche Verteilung der über zwei Millionen Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäude. Mitberücksichtigt sind dabei die Anzahl Personen, die sich in diesen Gebäuden aufhalten und die Wiederherstellungskosten.

Dicht besiedelte Gebiete sind einem grösseren Erdbebenrisiko ausgesetzt als ländliche Regionen mit wenig potenziell betroffenen Personen und Gebäuden. Weitere mögliche sekundäre Auswirkungen auf Infrastrukturen, Verluste durch Hangrutschungen, Feuer oder Betriebsunterbrüche und die zeitlich variierende Belegung von Gebäuden sind im Erdbebenrisikomodell noch nicht berücksichtigt.

Welche Daten umfassen die betroffenen Personen und Werte?

Wie wurden die folgenden Auswirkungen berechnet?

Kosten für Gebäudeschäden

Die geschätzten Kosten für Gebäudeschäden umfassen sowohl strukturelle als auch nicht-strukturelle Schäden an Gebäuden und leiten sich aus folgenden Werten ab:

  • geschätzte Anzahl leicht, mässig und stark beschädigter oder zerstörter Gebäude
  • Wert dieser Gebäude
  • geschätzter anteilmässiger Verlust des Gebäudewerts aufgrund dieser Schäden

Nicht berücksichtigt in den geschätzten Kosten für Gebäudeschäden sind folgende Werte:

  • bewegliche Gebäudeinhalte (Fahrhabe; wird separat berechnet)
  • Verluste durch Sekundäreffekte des Bebens (z. B. Erdrutsche, Felsstürze, Feuer)
  • Verluste aufgrund von Verzögerungen z. B. bei Reparaturen oder dem Wiederaufbau
  • Verluste aufgrund von Betriebsunterbrüchen
  • Verluste an der Infrastruktur (Brücken, Strasse, Stromleitungen)
Kosten für Gebäudeschäden

Anzahl Todesopfer

  • geschätzte Anzahl stark beschädigter oder zerstörter Gebäude
  • geschätzte Personenbelegung dieser Gebäude (unabhängig von Tageszeit oder Saison)
  • geschätzter Anteil an Personen, die in stark beschädigten oder zerstörten Gebäuden zu Tode kommen

Nicht berücksichtigt in der geschätzten Anzahl Todesopfer sind folgende Werte:

  • geschätzte Anzahl Todesopfer aufgrund von Schäden an der Infrastruktur (z. B. Brücken, Strassen)
  • geschätzte Anzahl Todesopfer aufgrund Sekundäreffekte des Bebens (z. B. Erdrutsche, Felsstürze, Feuer)
Anzahl Todesopfer

Anzahl Schutzsuchende

Die erwartete Anzahl Schutzsuchende über kurz- und längerfristige Zeit leitet sich aus folgenden Werten ab:

  • geschätzte Anzahl mässig bis stark beschädigter oder zerstörter Gebäude
  • geschätzte Personenbelegung dieser Gebäude (unabhängig von Tageszeit oder Saison)
  • geschätzter Anteil an Gebäuden, die aufgrund von Schäden nicht mehr bewohnbar sind
Anzahl Schutzsuchende

Anzahl leicht- bis schwer verletzte Personen

Die geschätzte Anzahl verletzter Personen mit leichten bis schweren Verletzungen leitet sich aus folgenden Werten ab:

  • geschätzte Anzahl mässig bis stark beschädigter oder zerstörter Gebäude
  • geschätzte Personenbelegung dieser Gebäude (unabhängig von Tageszeit oder Saison)
  • geschätzter Anteil an Personen, die in mässig bis stark beschädigten oder zerstörten Gebäuden verletzt werden

Nicht berücksichtigt in der geschätzten Anzahl Verletzter ist folgender Wert:

  • Verletzte durch Schäden an der Infrastruktur (z. B. Brücken, Strassen)
  • Verletzte durch Sekundäreffekte des Bebens (z. B. Erdrutsche, Felsstürze, Feuer)
Anzahl leicht- bis schwer verletzte Personen

Was wird derzeit nicht im Modell berücksichtigt?

  • Auswirkungen von Erdbeben auf ein spezifisches Gebäude
  • Auswirkungen auf Infrastrukturen und die Folgen sekundärer Ereignisse (z. B. Hangrutschungen oder Feuer)
  • Sekundäre wirtschaftliche Verluste (z. B. von Betriebsunterbrüchen)
  • Soziale Folgen (z. B. von Umsiedlungen)